Kiel Marine Science

Fliegend Daten sammeln: Wie Trackingdaten von Zugvögeln helfen, die Arktis zu erforschen

11.11.2020

Großer Brachvogel mit GPS-Logger (Foto: Natalie Meyer)

Die Arktis verändert sich, mit alarmierenden Konsequenzen für die Tierwelt und damit auch für die Menschheit. Auskunft darüber, wie sich dieser schwer zugängliche Lebensraum verändert, geben vor allem Trackingdaten von Zugvögeln und Säugetieren. Unter Leitung der amerikanischen Ohio State Universität hat jetzt ein internationales Forscherteam, darunter auch Stefan Garthe und Philipp Schwemmer vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel, eine umfassende Datenbank zu Tierwanderungen aus drei Jahrzehnten generiert und dazu einen Beitrag am 6. November im renommierten Fachmagazin Science veröffentlicht. Hier weiterlesen

Der Klimawandel und eine stärkere Nutzung durch den Menschen setzen der Arktis zu, mit teils dramatischen Folgen für die Tierwelt. Die Arktis gehört zu den abgelegensten Regionen der Welt und ist besonders schwierig zu erforschen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stützen ihre Untersuchungen daher auf das Besendern von Tieren, um deren Habitatnutzungen, Wanderungen und das individuelle Verhalten zu analysieren. Um großskalige Änderungen des Lebensraums zu verstehen, müssen diese Ergebnisse artübergreifend betrachtet werden. Obwohl es inzwischen weltweit viele Tracking-Daten gibt, waren die Daten zur Arktis und Subarktis bisher nur schlecht zugänglich. Zur besseren Nutzbarkeit wurde nun das "Arctic Animal Movement Archive (AAMA)" geschaffen. Derzeit umfasst es über 15 Millionen Positionsangaben von 96 Arten. Das Datenmaterial stammt aus über 200 Studien, die bis 1991 zurückreichen und sich hauptsächlich auf Vögel und Säugetiere beziehen. Somit lassen sich z.B. die unterschiedlichen Reaktionen auf die Lebensraumveränderungen zwischen den verschiedenen Arten aufzeigen.

In das neue Archiv flossen auch die Daten der Arbeitsgruppe "Tierökologie, Naturschutz und Wissenschaftskommunikation" am Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel ein, die seit über 20 Jahren regelmäßig See- und Küstenvögel besendert. Mehrere Vogelarten brüten in verschiedenen Teilen der russischen Subarktis und Arktis, wie z.B. der Große Brachvogel, Nonnen- und Ringelgänse. Besonders spektakulär sind die bis über 4.000 km weitreichenden Flüge der Ringelgans vom Winterquartier im norddeutschen Wattenmeer bis zu den Brutplätzen auf der Halbinsel Taimyr in Sibirien.

Originalpublikation
Davidson et al. (2020): Ecological insights from three decades of animal movement tracking across a changing Arctic. Science 370 (6517), 712-715. DOI: 10.1126/science.abb7080

Link zur Studie:
https://science.sciencemag.org/content/370/6517/712

Wissenschaftlicher Kontakt an der CAU
Prof. Dr. Stefan Garthe
Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel
Telefon: +49 4834 604-116
garthe@ftz-west.uni-kiel.de

Dr. Philipp Schwemmer
Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel
Telefon: +49 4834 604-119
schwemmer@ftz-west.uni-kiel.de

Foto oben: Großer Brachvogel mit GPS-Logger (Foto: Natalie Meyer)

Forschungsmeldungen

KMS auf dem Campus

News

Kalender

« Dezember 2020 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3